10 Tipps für ein low waste Festival-Besuch

Zur Festivalsaison habe ich bereits meine low waste Festival-Packliste veröffentlicht.

Detailliertere Informationen gebe ich hier im low waste Festival-Ratgeber in zehn leicht umsetzbaren Punkten.

1. Anreise und Camping

festival mein zelt

Habe mir den Mehrweg-Grill von einem Kollegen geliehen, Zelt  und Tisch sind von einem Kumpel, Wasserkanister hat ein anderer mitgebracht. Bierdosen haben wir für Pfand heil zurück gebracht. In die Plastikflaschen hatten wir daheim schon Alkohol umgefüllt.Die Plastikgabel ist nicht von uns.

Bildet für die Anreise Fahrgemeinschaften. Nutzt wenn möglich die öffentlichen Verkehrsmittel. Viele Festivals bieten einen kostenlosen oder günstigen Shuttle-Service zum nächst größeren Bahnhof an.

Bevor du dir neue Campingausrüstung kaufst, frag doch lieber in deinem Freundeskreis rum, wer was mitbringt. Ihr könnt eure Gruppe gleich auf die Zeltplätze aufteilen. Falls ein Zelt fehlt, kannst du bei anderen Freunden fragen, ob sie dir ein Zelt leihen oder du kannst gucken, ob du ein gebrauchtes findest. So auch bei der restlichen Ausrüstung, Solarlampion, Campingstuhl, Luftmatratze, Luftpumpe, Pavillon usw.

Selbst der härteste Festivalgänger muss irgendwann schlafen. Und viele nutzen Oropax. Anstatt die Einwegprodukte zu benutzen, lohnt es sich einen gscheiten Gehörschutz zu kaufen, der auch vor der Bühne was taugt und immer wieder verwendet werden kann. Ich organisiere selber Konzerte und brauche die sowieso öfters, darum habe mir diesen Gehörschutz von Senner* geholt.

2. Essen und Trinken

festival mein tisch

Brot im Jutebeutel, Mehrweggeschirr aus Edelstahl, loser Tee, Thermobecher, selbstgemachter Aufstrich in Mehrweg-Box, loses Gemüse und Obst. Keiner von uns hatte Einweggeschirr dabei.

Achte auf das mögliche Glasverbot. Manche Festivals lassen nicht mal auf dem Campinggelände Glas zu. Getränke, Aufstriche usw. müsstest du eventuell zuhause schon in Plastik- oder Edelstahl-Behälter umfüllen.

Plane wie bei einer normalen Woche auch deinen Einkaufszettel für deine Ernährung vorab. Nicht nur kannst du vorher unverpackt einkaufen, du musst auch bedenken, wie du das beim Campen zubereitest. Was hält sich ein paar Tage ungekühlt? Was lässt sich schnell und eventuell nur mit Wasser zubereiten? Es muss kein Dosenessen sein. Aufgeschnittenes Brot im Jutebeutel, Aufstriche in Mehrweg-Behältern, Müsli mit Pflanzenmilch, Couscous mit frischem Gemüse (Gurke, Tomaten), Nudeln mit Sauce oder Pesto, Buchstabensuppe mit selbst gemachtem Gemüsebrühebatz ist auch super. „Tütensuppe“ kannst du dir auch zuhause schon vorbereiten (Nudeln, getrocknete Gemüseschnipsel, Gewürze). Zum Snacken und für den Kreislauf sind Obst und Nüsse toll.

Kompostabfälle kannst du in einem Behälter aufbewahren und mit Heim nehmen oder vor Ort etwas abseits des Geländes verbuddeln, falls das Festival keine Komposteimer aufgestellt hat.

Getränke für das Campinggelände kannst du in Pfandflaschen, im Schlauch und in Pfanddosen mitnehmen. Hauptsache Mehrweg statt Einweg. Eine größere Wasserflasche oder ein Kanister zum Auffüllen ist sehr praktisch und der Weg zur Wasserstation mit Freunden gesellig. Eine kleine Plastikwasserflasche zum Auffüllen auf dem Festivalgelände sollte unbedingt mit, besonders bei heißem Wetter.

Auf dem Gelände gibt es oft Foodtrucks. Besonders hier kann leicht viel Müll entstehen. Anstatt sich die Pommes, Burger, Smoothies und Co. auf einem Plastik- oder Pappteller/-becher aushändigen zu lassen, kannst du deine eigenen Behälter mitnehmen. So manch einer wird jetzt sagen „Ist ja voll unpraktisch. Dann hab ich ja immer was zum rumschleppen…“ aber damit lass ich mich nicht abspeisen. Ich hab sowieso meinen Turnbeutel auf dem Rücken mit einem Pulli, der kleinen Wasserflasche, bisschen Klopapier und Desinfektionsspray und so Zeug. Und falls ich plane auf dem Festivalgelände etwas zu essen, dann nehme ich eben vorab schon meine Sachen mit.

3. Hygiene

holzzahnbürste tabletten

Die Humble Brush gibt’s übrigens bei dm.

Für manche Menschen auf Festivals total egal, für andere nicht. Falls auch du zu den reinlichen Wesen gehörst, nimm dir feste Seife und Zahnputztabletten mit. Pflaster, Kondome und Medikamente sind zwar nicht zero waste aber als Notfallapotheke auf einem Festival definitiv sehr nützlich! Mückenspray und Desinfektionsspray kannst du dir vorab ganz einfach selber machen. Und falls die Dixi-Klos der totale Graus sind: Urinella/Pipilotta und wie die Dinger alle heißen, sind ultra praktisch und wiederverwendbar.

4. Kleidung

„Mäpmäpmäp, dieses Mehrweg-Geschwätz geht mir auf die Nerven, das nimmt viel zu viel Platz weg!“ – Dann lass für mehr Platz im Rucksack lieber ein paar überflüssige Klamotten daheim, du alter Styler! 😉

Oft genug meint man es mit dem Stylefaktor viel zu gut und zieht vor Ort dann doch jeden Tag das gleiche an. Drei Tage Festival: eine lange Hose, ein Kleid/Shorts, zwei Shirts, dazu ein langärmliges, eine Leggings, paar Socken, dicke Socken, Unterwäsche und Bikini/Badehose reicht eigentlich. Dazu je nach Wettervorhersage Regenjacke, Gummistiefel, offene Sandalen für den Zeltplatz, Sonnenhut/Cap. Auf jeden Fall solltest du bei egal welchem Wetter geschlossene Schuhe für das Festivalgelände dabei haben, damit dir niemand aus Versehen den Zehennagel abreißt. Das heilt auf einem matschigen Festival nicht gut…

Oder du nimmst statt Klamotten nur eine witzige Verkleidung mit und trägst die einfach konsequent 24/7. 😉

5. Glitzer und Deko

screenshot_169

Mein Glitzer von eco glitter fun hab ich in England gekauft.

A pro po witzige Sachen: Wusstest du dass es sich bei Glitzer um Mikroplastik handelt? Irgendwie ist das ja klar, bewusst ist das den meisten allerdings nicht. Es gibt aber auch biologisch abbaubaren Glitzer z.B. von Glitterkram* aus Deutschland.

Auch bei der Deko, die sich viele aufhängen, muss es nicht die Einweg-Plastik-Kacke sein, die die Festivalbetreiber dann mühsam wieder aus der zertretenen Erde ziehen müssen. Wie wäre es mit einer selbstgenähten Wimpelgirlande und Solarlampions, die du wieder mit Heim nimmst?

6. Sex, Drugs, Rock’n’Roll

screenshot_170

Screenshot der Ecosia-Bildersuche bei „Taschenascher“

Schütze sich beim Geschlechtsverkehr mit Kondomen. Die machen zwar Müll aber weitaus weniger als eine ungewollte Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten. Es gibt vegane und faire Kondome zum Beispiel bei Einhorn Kondome*.

Tabakkonsum kann – egal was die Packung verspricht – nicht öko sein. Wer dennoch raucht und auf seine Gesundheit scheißt, bitte sehr, aber der soll unbedingt (und das gilt nicht nur für Festivals) einen Taschenascher dabei haben und den auch benutzen. Nicht nur brauchen Zigarettenstummel ewig bis sie zerfallen, sie sind aufgrund der Chemikalien und erst recht nach dem Rauchen extrem giftig und verseuchen den Boden. Meist werden die Festival-Flächen den Rest des Jahres landwirtschaftlich genutzt und durch Zigarettenstummel und Mikroplastik (durch zerbröselte Zelte, Glitzer, kaputte Plastikgabeln, usw.) verseuchst du dadurch die Äcker und das Grundwasser von denen wir uns ernähren. Ist nicht geil. Bereits ein Zigarettenstummel pro Liter Wasser reicht aus, um die Hälfte der darin schwimmenden Fische zu töten (Studie von Novotny). Gleiches gilt übrigens auch für den Papiertip.

7. Handy und Zeug aufladen

screenshot_171

Produktfoto meiner Powerbank auf waschbaer.de

Ich richte mir am Handy immer einen Festival-Sperrbildschirm ein:

Dieses Handy gehört Name einfügen. Falls du es findest, sei bitte kein Arsch, sondern ruf meinen Kumpel XY unter der Telefonnummer XYZ an damit wir uns für die Übergabe treffen können! Finderlohn wird in Bier ausgezahlt. ❤

Text in der Notizfunktion eingeben und screenshotten, das Bild als Sperrbild einstellen.

Ich screenshotte auch die Timetable und den Geländeplan. Dann brauch ich das nicht auf Papier.

Sehr nützlich ist immer meine Solar Powerbank (ich hab diese hier von Waschbär*). Damit lade ich wenn nötig das Handy und die Bluetooth-Musikbox.

8. Was tun bei Regen?

Noch besser als Gummistiefel sind hohe Schnürstiefel (z.B. Doc Martens). Die lassen sich vorab wasserdicht imprägnieren. Der Nachteil von Gummistiefeln oder Sneaker im Schlamm ist, dass die darin stecken bleiben können und beim Weitergehen vom Fuß rutschen.  Schon mal mit Sneaker im Matschloch eingesunken, die nackten Füße nur ohne die Treter wieder aus dem Sumpf gezogen und dann auf Knien rutschend und buddelnd versucht, die Dinger wieder aus dem Dreck zu ziehen? Ich schon. War doof. Das passiert mit Schnürstiefeln nicht.

Falls du vor den Bühnen einen Turnbeutel auf dem Rücken hast, ist eine gute Regenjacke oder ein Mehrwegponcho, der drüber passt, super. Die Einwegdinger sind meistens nicht besser als ein reudiger Müllbeutel und halten keine zwei Mal drüber ziehen aus.

Die einzige Müllbeutelrolle, die ich besitze, kommt immer mit auf Festivals. Denn sollte es Regnen, verwandelt sich eine grüne Wiese unter abertausenden Füßen schnell in ein großes Matschloch. Um bei Nass von oben und Nass von unten den Schlamm aus dem Zelt zu halten und damit die wichtigsten Dinge trocken bleiben, helfen in der Camping-Ausnahme-Situation oft nur Müllbeutel.

Packe bei starkem Regen – bevor du zu den Bühnen gehst – deinen Schlafsack in einen Müllbeutel. So wird er nicht klamm und bleibt trocken, auch wenn ein Besoffener in dein Zelt fällt und es ramponiert. Gleiches gilt für die dicken Socken und deinen Pulli, den du eventuell nachts beim Schlafen brauchst.

9. Wie trägt der Festival-Betreiber zum Umweltschutz bei?

 

screenshot_172

screenshot_173

Screenshots von den FAQ beim Puls.

Immer mehr Festivals achten bereits bei der Planung auf ihre Ökobilanz und versuchen es den Besuchern, und da sie es aufräumen müssen dadurch auch sich selbst, leichter zu machen. Auf der Festivalhomepage finden sich oft Infos zu Versorgung und Müll, beispielsweise beim Open Air am Berg* oder Puls Open Air* in den FAQ. Vielleicht heißt es in den Infos, dass es Pfand-Mehrwegbecher, plastikfreie Foodtrucks, Komposttoiletten, Dancefloors mit energieerzeugender Tanzfläche, Solaraufladestationen und ähnliches gibt. Falls es angeboten wird, unterstützt das Müllpfandsystem! Viele Festivals geben den Müllpfand nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit, meist mittags, zurück. Schau die Uhrzeit besser vorher nach.

10. Mehrweg statt Einweg

festival Müll

Ich kann es nicht oft genug sagen: Mehrweg statt Einweg!

Spar dir das Geld für Einwegzelte, Einweggrills, Einwegbierfässer, Einwegstühle und den ganzen klapprigen Mist! Investiere lieber ein Mal in gute Qualität und benutze die Sachen wieder. Wer gern auf Festivals geht oder Spaß am Campen hat, der braucht so Zeug eh öfter und kann sich bei guter Qualität und sorgsamen Umgang lange daran erfreuen. Vieles findest du sicher auch second hand, bei Freunden, auf Flohmärkten oder ebay Kleinanzeigen.

Trotz Spaß und Feiern abseits des Alltäglichen muss gesunder Menschenverstand und ein gewisser Rest an Umweltbewusstsein vorhanden sein! Festivalgelände sind oft keine geteerten Flächen, sondern landwirtschaftlich genutzte Wiesen.

Nicht nur langfristig gedacht ist Mehrweg gut für die Umwelt, auch unmittelbar vor Ort ist dein temporärer Lebensraum sicherer, wenn keine Verletzungsgefahr durch rumliegenden Müll besteht.

Und langfristig werden die Aufräum- und Entsorgungskosten, wenn sie für den Veranstalter jährlich radikal steigen, auf den Eintrittspreis umgelegt und der Besucher zahlt für seine eigene Dummheit drauf.

Helft der Umwelt, eurem Lebensraum, den Veranstaltern und vor allem euch selbst, indem ihr das oft vorhandene Müllpfandsystem unterstützt. Auch wenn du selber keinen oder nur wenig Müll auf einem Festival produzierst, es liegt sicher genug rum, das du einsammeln kannst.

 

Ich wünsche dir ein fröhliches, liebevolles und sicheres Festival!
Falls du Tipps ergänzen kannst, schreib mir gerne eine Nachricht oder schreib’s hier in die Kommentare!

 

*Anzeige wegen Markennennung. Das ist kein gesponserter Beitrag, lediglich eine freiwillige Empfehlung von mir.

20170611_103427

Weiterlesen auf Auf die Hand:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s