Verpackungsreduziert Lebensmittel einkaufen

Wer einen verpackungsfreien Supermarkt in der Nähe hat, kann sich glücklich schätzen.

Wer umsteigen will, kann ja mal googlen wo sich der nächstgelegene verpackungsfreie Supermarkt befindet. Oder wann in der Nähe ein Markt stattfindet. Am Bauernmarkt sind bisher alle Verkäufer happy, wenn man seine eigene Verpackung mitbringt, da sie dann weniger Kosten für Plastikbecher usw. haben. Für die, die auf dem „Land“ wohnen: Einige Bauernhöfe haben direkt vor Ort eine Abfüllstation für Milch – Geld in den Automaten, Flasche drunter, Knopf drücken.

Die Umstellung auf verpackungsfreies Einkaufen erfordert etwas Geduld und zunächst auch etwas Mut zum Scheitern. Denn oft muss umgedacht werden, wie die eigenen Gewohnheiten verändert werden könnten. Ich empfehle mit verpackungsreduziertem Einkaufen zu beginnen. Und das im eigenen Supermarkt. Den kennst du, du weißt wo was steht, du weißt wie deine Lieblingsprodukte schmecken und du hast nicht den Frust dich vollkommen neu orientieren zu müssen.

 

Auch in einem gängigen Supermarkt kann auf die Verpackung der Produkte geachtet werden und bei manchen gar darauf verzichtet werden. Vor allem anderen (und eigentlich selbstverständlich):

Bringe deine eigene Tüte mit!

Ich habe in der Tasche immer eine dieser kleinen, die sich in eine kleine Aufräumtasche stopfen lassen. Wiegt nichts, nimmt keinen Platz weg, ist mit den bunten Mustern immer leicht im Handtaschenchaos zu finden.

Daheim habe ich eine enorme Auswahl an Jutebeuteln, die ich Griffbereit im Eingang aufhänge. Keinen einzigen davon habe ich selber gekauft, sondern habe alle geschenkt bekommen. Angefangen mit dem, den meine Mama mir als Turnbeutel für den Kindergarten mit einem Schneewittchen bemalt hat bis hin zu dem neusten Beutel, handbedruckt von der Band The Red Aerostat – auch ein Geschenk. Der „Umstieg“ kostete bei mir also nichts.

Für einen größeren Einkauf nehme ich mir immer meinen Korb mit. Am Boden abgestellt fällt er nicht in sich zusammen und da ich ihn oben zuziehen kann, fällt auf dem geradelten Heimweg nichts aus dem Korb. Das versteckt im Eingang dann auch die unschönen Pfandflaschen, die ich dort, wie auch den geleerten Eierkarton, Verpackungssbeutel, Wachstuch und Zeitungspapier, hineinstecke.

 

Was für Zeug steckt die da in ihren Korb und wieso??

Da ich größtenteils auf Verpackung verzichte, muss ich zum Einkaufen eben meine eigene „Verpackung“ mitbringen. So wie bei der Tüte auch.

 

Obst und Gemüse:

In der Regel gibt es Obst und Gemüse neben den auf absurdeste Weise verpackten auch lose und hierfür werden dünne Plastiktüten zum Abreißen zur Verfügung gestellt. Wer auf diese allerdings verzichten will, der muss umdenken.

Jeder, der bereits Ärger bekommen hat, weil er jede Sorte lose aufs Band gelegt hat, kennt die Probleme. Mal davon abgesehen, dass dann auch in der Tasche alles rumfliegt…

Auch die Lösung alles in einen Restkarton aus der Gemüseabteilung zu geben, wird meist nicht akzeptiert. Immerhin soll ja alles einzeln abgewogen werden und scheinbar reicht es nicht an der Kasse die Etiketten einzeln vorzuzeigen. Man könne ja was durchschmuggeln… Ja klar…

Also: Was ist dem Supermarkt wichtig?

Soll jede Sorte einzeln in Tüten, abgewogen und dann mit dem Etikett bekleben?

Wenn ja, dann braucht es einen Ersatz für die Plastiktüte.

Der Versuch einfach einen Jutebeutel zu nehmen scheitert bei den meisten Supermärkten. Zum einen ist der Beutel nicht transparent und der Schmuggel-Generalverdacht ist und bleibt ein Problem. Außerdem hat der Beutel ein höheres Eigengewicht als die Plastiktüten und wer will schon anstatt des Gemüses auch sein Beutelgewicht mitzahlen?

Eine mögliche Lösung ist ein Beutel aus Tüll: Er ist transparent und sehr leicht.

In verschiedenen Größen lassen sich große Mengen Kartoffeln ebenso gut transportieren wie Trauben.

Die Beutel gibt es sicherlich zu kaufen, lassen sich allerdings sehr schnell selber nähen.

Eine Anleitung gibt es hier (folgt in Kürze).

Achte beispielsweise beim Obst und Gemüse auch auf die angebrachten Aufkleber und nimm – nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ – die, auf denen kein Aufkleber mehr haftet.

 

Brot:

Die selbstgenähten Säckchen lassen sich in verschiedenen Größen auch hier anwenden. Die meisten Bäcker haben überhaupt kein Problem damit das Brot erst zu wiegen und dann in den mitgebrachten Sack zu stecken. Darum kann es hier auch eine Tasche aus Jute oder Baumwolle sein. Brotsäcke gibt es mit Motiven von der Baguette-Länge, über normalen Brotgrößen bis hin zum Semmelsack. Und auch hier möglich: Selbernähen aus Stoffresten.

 

Fleisch:

Das größte Hindernis für selber Mitgebrachtes sind hier die Hygienevorschriften. Meist darf nichts was vom Kunden mitgebracht wird hinter die Theke. Egal ob die Box frisch aus der Spühlmaschine kommt oder nicht.

Es hilft zu fragen, ob an der Verpackung wenigstens gespart werden kann. Da sind die Verkäufer meist kullanter. Hilft fürs erste, ist ja aber nicht Sinn der Sache.

Bei manchen Metzgern war es an der Theke möglich, dass das Fleisch auf einer ihrer Folien gewogen wird, mir dann über die Theke gereicht wurde und ich es dann in meine Box packen konnte. Die Folie wurde dann für den Rest meines Einkaufs verwendet und erst dann entsorgt. Fragt einfach mal nach. Es wird zunächst sicher blöde Blicke geben aber wenn ihr auf Verständnis trefft, dann gibt es vielleicht sogar ein paar Radl Wurst gratis 🙂

 

Milchprodukte:

Selbes Prinzip wie bei Fleisch auch beim Käse. Für Hartkäse eignet sich anstatt Folie meist auch Wachstuch. Gibt es zu kaufen – lässt sich aber auch super easy selber machen. (Anleitung folgt in Kürze)

Kaum ein Supermarkt hat Abfüllstationen für mitgebrachte Flaschen. Darum kaufe ich nur Produkte in Glasflaschen oder -bechern. Meist sind diese außerdem Pfand, sodass ich sie beim nächsten Einkauf einfach zurückbringe.

Frischkäse ist da schon was anderes, denn ein mitgebrachtes Glas kann meist nicht aufgefüllt werden. Darum mache ich Frischkäse aus Naturjoghurt selber.

Butter ebenso. Anleitung hier.

 

Und die Verpackung, die ich mitkaufen muss?

Bei einigen Produkten wirst du im gängigen Supermarkt keine verpackungsfreie Lösung finden. Darunter fallen beispielsweise Mehl, Zucker, Nudeln, Soßen, Eier, Getränke usw…

Darum hilft es hier auf die Art der Verpackung zu achten. Wenn du zu Zero Waste aus Frust über Plastikmüll gekommen bist, dann vermeide hier eben konsequent die Plastikverpackung. Kaufe dann lieber die Produkte in Papier und Pappe und recycle richtig. Außerdem kannst du auf Misch-Masch-Verpackung achten, Papptüten mit Plastikguckloch oder ähnliches.

Wenn es dir allgemein um die Vermeidung von Müll geht, dann kann einer der Gründe neben Umweltbewusstsein sein, dass du in der kleinen Stadtwohnung keinen Platz für Mülltrennung hast oder dein Balkon zum Wertstoffhof wird. Wenn du in Zukunft Verpackung mitkaufen wirst, kannst du bei deinem Supermarkt gucken ob hinter den Kassen Wertstoffeimer sind. Wenn ja, dann sei so mutig und fülle deine Ware hier in deine Säckchen um und entsorge die Verpackung noch hier im Laden. Die Leute werden zwar blöd gucken, doch sollte das nicht an deiner Überzeugung rütteln 🙂

Diese Tipps können natürlich weiter ergänzt werden. Wenn du deine Tricks auch teilen willst, dann freue ich mich über Kommentare!

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